Workshop mit Hermi.Colours
Kursbeschreibung laut Website
In diesem Kurs erkunden wir eine besondere Technik des Gestaltens mit Pflanzenfarben: das Malen, Schreiben und Drucken mit Beizpasten. Diese Methode ermöglicht es, Pflanzenfarben gezielt und dauerhaft auf Stoffe aus Pflanzenfasern zu bringen – und eröffnet dabei überraschende Möglichkeiten. Wir lernen zunächst, wie man eine Beizpaste aus natürlichen Rohstoffen herstellt und fachgerecht aufbereitet. Mit Pinseln und einfachen Stempeln wird die Paste auf unterschiedliche Stoffproben aufgetragen – dabei untersuchen wir, wie verschiedene Gewebearten auf die Paste reagieren. Anschließend färben wir die Stoffe in Pflanzensuden ein, wodurch die bemalten Flächen deutlich sichtbar fixiert werden. Die Technik eignet sich sowohl für einfache Muster als auch für freie Malerei oder Schrift. Neben der praktischen Anwendung lernen wir, wie Stoffe aus Pflanzenfasern auf das Färben vorbereitet werden, wie man verschiedene Pflanzenfarben ansetzt und wie kreative Effekte mit einfachen Mitteln erzielt werden können. Am Ende des Kurses nehmen alle nicht nur ein solides Grundlagenwissen, sondern auch selbstgestaltete Stoffproben mit nach Hause.
Workshop
Beizpasten sind pastöse Mischungen aus einer Beize (z. B. Alaun) und einem Verdicker, die lokal auf Textilien aufgetragen werden, um dort die Färbefähigkeit gezielt zu verändern.

Ein Wochenende mit Hermi.Colours – Pflanzenfärben mit Lisa
Vor kurzem durfte ich an einem Kurs bei Hermi.Colours teilnehmen – geleitet von Lisa, die nicht nur unglaublich viel Fachwissen besitzt, sondern auch eine wunderbare Art hat, ihre Erfahrung zu vermitteln. Obwohl ich bereits einiges an Vorkenntnissen im Bereich der Pflanzenfärbung mitgebracht habe, konnte ich an diesem Wochenende noch so viel Neues lernen und meinen eigenen Zugang erweitern.
Besonders spannend war für mich Lisas ganzheitlicher, bewusster Zugang zur Materialwahl und zum Färbeprozess. Ihre Entscheidung, ausschließlich vegan zu arbeiten und damit bestimmte Beizmittel und tierische Zusätze auszuschließen, hat mir neue Perspektiven eröffnet und alternative Herangehensweisen aufgezeigt, die ich bisher kaum in Betracht gezogen hatte.
Neben vielen inspirierenden Gesprächen konnte ich auch praktische Impulse mitnehmen – von Farbverhalten über Experimente bis hin zu nachhaltigen Verfahren. Lisas Erfahrung und ihr Blick auf ökologische Zusammenhänge machen den Kurs sowohl fachlich interessant als auch persönlich bereichernd.
Ich kann den Kurs absolut empfehlen – egal ob man bereits Erfahrung hat oder gerade seine ersten Schritte im Pflanzenfärben macht. Für mich war es ein intensives, lehrreiches und motivierendes Wochenende, das mich noch stärker darin bestärkt, textile Prozesse bewusst, wertschätzend und naturverbunden anzugehen.
Experimente mit Ombelle
von Fonty
Kurzbeschreibung von Fonty
Fonty, “La Filature de Rougnat” is one of the last wool spinning and dyeing factories still in operation in France. Created in 1880 on the banks of the Cher, a few kilometers from its sources in the heart of the Combrailles in Creuse, a traditional land of breeding and textile industry, the Filature Fonty is one of the treasures of the local heritage. The Fonty yarn collection is made up of more than 60 bases of high-end natural yarns, spun and dyed by the factory’s teams. Each quality is offered in a range of 20 to 120 colors.
projekt
Mohair ist eine außergewöhnlich feine Naturfaser, die aus dem Haar der Angoraziege gewonnen wird. Sie zeichnet sich durch ihren seidigen Glanz, ihre hohe Elastizität und ihre besondere Leichtigkeit aus. Trotz ihres zarten, flaumigen Erscheinungsbildes ist Mohair erstaunlich robust und langlebig.
Charakteristisch ist die Art, wie Mohair Licht reflektiert: Die Faser streut das Licht weich und erzeugt dadurch eine lebendige, fast schimmernde Oberfläche. Gleichzeitig besitzt sie hervorragende Wärmeeigenschaften – sie isoliert gut, ohne schwer zu wirken.

Dieses Projekt entstand aus einer einfachen, aber für mich zentralen Frage: Wie verhält sich Farbe, wenn sie nicht nur gesehen, sondern durch Material und Struktur getragen wird? Wenn sie nicht auf einer Oberfläche liegt, sondern Teil eines Volumens ist — in jeder Faser, in jeder Masche, in jeder Verdichtung.
Im Zentrum steht Mohair. Ein Material, das sich nie vollständig kontrollieren lässt. Es reflektiert Licht weich und diffus, löst Konturen auf und erzeugt eine visuelle Tiefe, die sich mit glatten Garnen nicht erreichen lässt. Mohair ist nicht nur Träger von Farbe, sondern Mitgestalter. Es verändert die Wahrnehmung von Form, von Oberfläche und von Temperatur.
Die gestrickte Mütze in sattem Pink ist eine Studie über Reduktion. Eine archetypische Form — vertraut, funktional, still. Doch gerade in dieser Einfachheit wird das Material sichtbar. Die Oberfläche wirkt lebendig, beinahe atmend. Das Licht bleibt nicht an der Oberfläche stehen, sondern dringt ein, wird gestreut und kehrt als weiches Leuchten zurück. Farbe wird hier nicht als Fläche wahrgenommen, sondern als Raum.
Im Kontrast dazu steht das gewebte Stück, in dem warme Gelb-, Orange- und Rosétöne ineinander übergehen. Weben erlaubt eine andere Art von Farbinteraktion. Während Strick eine kontinuierliche, fließende Struktur erzeugt, entsteht im Gewebe ein Raster — ein Dialog zwischen Kette und Schuss. Farbe wird hier durch Überlagerung gebildet, nicht durch reine Fläche. Sie entsteht optisch im Auge, aus der Nähe fragmentiert, aus der Distanz harmonisch.
Beide Objekte untersuchen unterschiedliche Zustände desselben Materials: Spannung und Lockerheit, Verdichtung und Offenheit, Form und Fläche. Das Strickstück bildet ein Volumen, das Gewebe bleibt Fläche. Und doch verbindet sie dieselbe Fragestellung — wie textile Strukturen Licht speichern und transformieren können.
Auch der Kontext ist Teil der Arbeit. Der einfache Holzstuhl dient nicht als neutraler Hintergrund, sondern als Gegenpol. Das glatte, feste Holz trifft auf die weiche, flüchtige Oberfläche des Mohairs. Härte und Weichheit, Dauer und Fragilität stehen einander gegenüber.
Dieses Projekt ist Teil meiner fortlaufenden Auseinandersetzung mit Textilien als räumliches Medium. Textil ist nicht nur Oberfläche oder Objekt — es ist ein Zustand zwischen Körper und Umgebung. Es wärmt, schützt, umhüllt. Und gleichzeitig trägt es Farbe auf eine Weise, die niemals statisch ist.
Je nach Licht, Bewegung und Distanz verändert sich die Wahrnehmung ständig.
Textil ist nie vollständig abgeschlossen. Es bleibt in Beziehung.



Krapp (k)eine Lovestory
Färben mit Krapp
Krapp gehört zu den ältesten bekannten Färbepflanzen der Menschheit und wurde bereits vor über 3.000 Jahren in Asien, Ägypten und später auch in Europa verwendet. Die Wurzeln der Pflanze enthalten Alizarin, einen Farbstoff, mit dem kräftige Rot-, Rosa- und Orangetöne erzeugt werden können. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Krapp ein wichtiger Handelsrohstoff und wurde in Europa gezielt angebaut, insbesondere in den Niederlanden und Frankreich. Mit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe im 19. Jahrhundert verlor Krapp an wirtschaftlicher Bedeutung, erlebt heute jedoch im Kontext nachhaltiger und traditioneller Färbetechniken eine neue Wertschätzung.
Projekt
Krapp ist eine Färbepflanze, deren Wurzeln natürliche rote Farbstoffe enthalten. Aus diesen Wurzeln können durch einen Färbeprozess warme Farbtöne von zartem Rosa bis zu tiefem Rot und Orange gewonnen werden. Die Farbintensität hängt dabei von Faktoren wie Temperatur, Beizmittel und Färbedauer ab. Krapp wird besonders in der Naturfärberei geschätzt, da er langlebige, lichtechte und lebendige Farben erzeugt.

Blog folgt…